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/ Geschichte

Alles begann mit einem Gewichtsproblem…

Die Geschichte von Tune beginnt 1988. Uli Fahl, der aus Südbaden stammt, lebt noch in München und arbeitet angestellt als Chemiker für einen Schmiermittelhersteller. Er ist 35, und an den Wochenenden fährt er mit seiner Frau zum Klettern in die Alpen. Mit dem Rad, genauer: auf Kettler Alu-Mountainbikes. Die sind Fahl zu schwer, er braucht die Kraft zum Klettern, nicht für den Weg dorthin. Und er fängt an zu experimentieren.

Er ersetzt alle Schrauben durch solche aus Aluminium und entwickelt gewichtsoptimierte Schaltwerk-Kits. Die kommen gut an, aber mehr Aufmerksamkeit erregt er in der Fachwelt mit dem superleichten Schnellspanner AC8. Wer etwas auf sich hält und das Gewicht seines Hardtails unter die kritische Marke von 13 Kilo drücken will, bestellt bei Fahl. 1989 kündigt der Tüftler seinen Job, hebt seine Firma aus der Taufe und zieht in den heimischen Schwarzwald um. Fahl stellt Leute ein, feilt, schraubt und entwickelt.

Um den Kopf frei zu kriegen, spielt er täglich Klavier. Gäste empfängt der Tuning-Guru und überzeugte Barfußgeher nie anders als mit nackten Füßen, auch auf der vielleicht bedeutendsten Fahrradmesse der Welt, der Eurobike.

So war der Weg…

Alles läuft gut, dann muss Tune 2000 Schnellspanner zurückrufen: Der Zulieferer hat sich nicht an die Spezifikationen gehalten. 1994 stampft ein Lohnfertiger von Tune eine eigene Marke aus dem Boden, mit Produkten, die den Originalen verdächtig ähnlich sehen: von den Schrauben über die Schnellspanner, Sattelstützen und Tretlager bis hin zu den Naben. Tune steht am Abgrund, kriegt aber die Kurve unter anderem durch die legendäre Kurbel Big Foot, und weil der amerikanische Hersteller Klein Tune zum Haus- und Hoflieferanten für Innenlager macht. Seitdem stellt Tune fast ausschließlich im eigenen Haus her. Byebye Bastelbude, hello Fertigungshalle.

Naben und Laufräder werden immer wichtiger. Fahls Credo: „Die Laufräder sind die beste Art, Gewicht zu sparen. Durch die rotierenden Massen wirkt sich hier jedes Gramm Gewichtsersparnis besonders deutlich aus.“ Seine High-Tech-Naben, superleicht, aber stabil, sind denen der Konkurrenz voraus.

Billig waren Tune-Teile nie: In den Neunzigern kam man mit einem Keramiktretlager auf dem Markt, das 2900 D-Mark kostete und das Ergebnis einer Entwicklung für Jan Ulrich war. Aber die Kunde von der Edelschmiede im Schwarzwald macht die Runde. Fahl bringt die erste Nabe unter 100 Gramm auf den Markt, wird aber
sofort wieder gestoppt. Die „Dezibel“ macht ihrem Namen alle Ehre und
war mit ihrem maschinengewehrähnlichen Knattern zu laut für die Tour durch den ruhigen Wald. Wenn ihn das nicht auslastet, dann tobt sich sein düsentriebhafter Geist in Projekten aus, von denen klar ist, dass er nie einen Cent daran verdienen wird: Einem getunten Riese-Faltrad zum Beispiel, das er mit zwei Benzintanks und einer Turbine ausstattet, um auf ihm mit 70 Sachen durch die Berge des Schwarzwalds zu heizen. Der Rahmen brach irgendwann, die Leichtbauteile halten bis heute.

Vielleicht ist es diese legendäre Qualität, deretwegen Tune es sogar in den Weltraum bringt: Mitte der Neunziger entwickelt die Technische Universität München für die Raumstation Mir den Munich Space Chair, einen Klapptisch, dessen Fixiereinrichtung, ein überlanger Tune Schnellspanner, es Astronauten ermöglichte, mit beiden Händen exakt und konzentriert zu arbeiten, ohne davonzuschweben. Die Titan-Schnellspanner des Chairs stammen – von Tune.

Tune entwickelt sich zu einer Größe in der Branche und überlebt auch das Ende des Leichtbau-Booms Ende der 90er. 1998 legt man ein Umsatzplus von 85 Prozent hin.
Heute machen Naben und Laufräder mehr als die Hälfte des Tune-Sortiments aus. Dazu kommen Sattelstützen, Sättel, Vorbauten, Kurbeln,…. Fahls Rezept für die Konstruktion: „Die Natur hat uns alles vorgemacht. “Stichwort „Bionik“. Bereits die ersten Kurbeln als auch Schnellspanner und Tretlager entstanden nach bionischen Prinzipien. Allein Bäume sind mit ihrem Wuchs die perfekten Lehrmeister- sogar für Karbon.

Und jetzt? 

Seit 2016 führt Sebastian Linser das Unternehmen. Er ist ein Zögling von Uli Fahl. Es ist im Winter 1996. Bei Schnee und Minusgraden fährt Sebastian Linser, 16 Jahre und bereits Bahnfahrer der Nationalmannschaft, zu seinem ersten Arbeitstag nach Muggardt. Er beginnt dort einen Aushilfsjob in der Paketabfertigung. „Der Winter war kalt und Uli kam mir trotz Schnee und Minusgraden barfuß entgegen.“

Der Marke ist Linser zu dem Zeitpunkt schon längst verfallen. „Es ist seine erste große Liebe“. 1994 verliebte er sich im BIKE WORKSHOP Katalog in eine hochpolierte MAG 215. „Das Design haute mich um. Für mich war sofort klar, die Nabe muss ich haben. Am nächsten Tag ging ich schnurstracks zu einem tune-Händler. Den Tag werde ich nicht vergessen. Nervös stand ich vor dem Ladentisch. Der Händler holte eine Waage aus der Werkstatt und stellt Sie auf den Tisch. Ganz behutsam legte er die hochpolierte MAG215 auf den Waage. Mein Herz pochte. In echt war Sie sogar noch schöner als auf dem Foto. Der Preis war auch schön. So schön, dass ich mir erstmal nur das Hinterrad kaufen konnte. Allerdings hat sich jeder Pfennig gelohnt. Das Fahren machte damit noch viel mehr Spaß, als davor.

Dass ich dann bei tune beginnen konnte war für mich eine schicksalshafte Fügung. Ich wusste, das hier ist etwas ganz besonders. Uli hat mich damals davon überzeugt, zusätzlich zu meiner Radkarriere noch eine solide Ausbildung als Groß-, und Außenhandelskaufmann zu absolvieren. Das habe ich während meiner aktiven Rennfahrerzeit gemacht und nie bereut. Ich liebe die Naben und Produkte, wie seit dem ersten Tag. Für mich haben Sie bis zum heutigen Tag nichts an Glanz verloren.

Wie geht es weiter?

Seit 23 Jahren ist Sebastian nun schon Teil der Firma tune. Er ist mit ihr groß geworden und kennt die Produkte und die Geschichte wie kein Zweiter. Er ist infiziert und lebt die Firma mit jeder Zelle.

Seine Kernaufgaben sind die kaufmännischen Aspekte der Firma zu leiten. Im technischen Bereich wird er von seinem technischen Leiter samt Team tatkräftig unterstützt.

So bleiben Qualität und Präzision auch bei ihm oberstes Gebot. Ein Beispiel: Während die teuren und energieintensiven CNC-Fräsen bei anderen Herstellern rund um die Uhr laufen, justiert tune sie ständig nach, abhängig von Temperatur, Luftdruck und anderen Faktoren. Deshalb werden die Maschinen während der Produktion auch immer von einem Mitarbeiter überwacht. Und die meisten Laufräder werden bei Tune nach wie vor von Hand eingespeicht. „Tune hat einige Meilensteine gesetzt und das Gewichtsthema überhaupt erst in der Branche etabliert“, sagt Linser. „Damals sind wir dafür als Spinner belächelt worden. Heute ist Leichtgewicht selbstverständlich.

“ Die Zukunft sieht er in der Individualisierung. Jeder sehnt sich auf seine Art gesehen zu werden. Und dabei helfen wir unseren Kunden. „Viele Radhersteller bieten heute eigene Leichtbauteile an. Aber sie verfehlen die Wünsche des Einzelnen. Große Firmen sind dafür zu träge. Wir sind agil und können das. Linser lächelt und trägt Schuhe.

 

Wusstet Ihr, dass

1. … Ulis erstes Mountainbike ein Kettler Adventure S war? Weil es zurück von den Capverden nicht in den Flieger passte, liess er es einfach dort.

2. … das von Tune speziell für den späteren Tour de France Sieger entwickelte Tretlager seine Initialien trug? Sie lauteten J.U.

3. … der 15-fache Deutsche Downhillmeister Marcus Klausmann schon seit seinen Junioren-Zeiten Tune fährt?

4. … Tune ein Vierkant-Tretlager mit Vollkeramik-Kugellagern entwickelt hat? Es kostete 2.900 DM und ist damit bis heute wohl das teuerste Tretlager aller Zeiten.

5. … Tune-Schmuck unter anderem aus den Schalträdchen „Click“ der Verkaufsschlager am Tune-Stand 1995 bei der Mountainbike-WM in Kirchzarten war?

6. … Uli Fahl zum Casting vom Bully Film „Wickie und die starken Männer“ eingeladen wurde? Die Castingfirma wollte Uli für die Rolle des alten „Urobe“ gewinnen.

7. … für einen Nabenkörper von 70 Gramm ein Kilo Aluminium verbraucht wird?

8. … Tune Distributoren in 43 Ländern hat?

9. … unser leichtestes Produkt mit 0,4 Gramm war der Speichenmagnet Pulsar?

10. … die ersten Tune T-Shirts mit „Hello“ auf der Brust und „Good Bye“ auf dem Rücken bedruckt waren?